Bundesland:

Mecklenburg / Vorpommern

 

Landesteil:

Vorpommern

 

Erste urkundliche

Erwähnung:

1248

 

Gemeinde:

Ortsteil der Universitäts - und Hansestadt Greifswald 

 

Geodaten:

 54° 6′ 3″ N, 13° 26′ 25″ O

 

höchste Erhebung:

Silberberg 4,3m über nN

 

Fläche:

5,44 km²

 

Einwohner:

794 (31.03.2024)

 

Postleitzahl:

17493

 

Nachbarorte:

Im Osten: Wieck

Im Norden: Gemeinde Neuenkirchen, OT. Wampen

Im Süden: Eldena und Greifswald / Ostseeviertel

Im Westen: Greifswald

 

Lage

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Fliegerhorst Greifswald Ladebow 1934 bis 1945

Vorwort

Der Fliegerhorst Ladebow war ein Bestandteil des massiven, militärischen  Aufbauprogramms des 3. Reiches ab dem Jahr 1933. Damit wurde Versailler Vertrag heimlich untergraben. Die Anlage, anfangs getarnt als ziviler Flugplatz, eine Ausbildungseinrichtung für Militärflieger errichtet.

Quelle: MUZEUM POWSTANIA WARSZAWSKIEGO
Quelle: MUZEUM POWSTANIA WARSZAWSKIEGO

Einleitung

Der Fliegerhorst Greifswald Ladebow, scheint von der Oberfläche verschwunden zu sein. Es gibt nur wenige Fotodokumente, die erhalten sind. Sie zeugen aber von seinem früheren Aussehen. Wer, ausgestattet mit den notwendigen Informationen und einem offenen Auge, durch Ladebow geht, wird auch heute noch Spuren und bauliche Relikte des ehemaligen Flugplatzes finden.

Chronik des Fliegerhorstes

A.     Vorgeschichte/Planung (1920–1933)

 

  • 22.01.1920: Öffentliche Verteidigung des Bebauungsplanes; BM Fleischmann nennt Eingemeindung Eldena/Ladebow/Koitenhagen als langfristiges Thema; Flächen liegen überwiegend bei der Universität, Erwerb eher durch Tausch; Verhandlungen „kompliziert und zäh“.
  • ab 1925: Stadt bemüht sich um Niederlassung von Flugzeugherstellern in Greifswald/Ladebow.
  • Firmenforderung: mindestens ca. 1.700 m² Gelände für Flugplatz mit Wasseranbindung (Wasserflugzeuge).
  • Schlüsselrolle Universitätsgut: geeignet ist vor allem das Universitätsgut Ladebow (Teil des Universitätsbesitzes aus herzoglicher Stiftung).
  • Universität: Land nicht verkaufen, nur gegen anderes Gebiet tauschen; Hoffnungen auf Aufschwung der Physik/„Technische Fakultät“.
  • Verhandlungen auf höchster Ebene zwischen Oberbürgermeister Dr. Fleischmann und Firmeninhabern.
  • 1926: Verhandlungen mit Rohrbach-Flugzeugwerken Berlin.
  • 1926/27: Heinkel-Werke Warnemünde planen ein Werk (Greifswald); zugleich wird (1927/28) die Anlage eines zivilen Flugplatzes mit Luftverkehr Pommern GmbH (Stettin) diskutiert.
  • April 1928: Planung Flughafengelände Ladebow einschließlich Projektierung einer Verbindungsstraße nördlich des Ryck.
  • Juli 1929: endgültiges Scheitern der großen Ansiedlungs-/Flugzeugbaupläne.
  • Bis 1933: kein regulärer Flugplatz; dennoch seien Verbindungen zwischen Militär, Stadt und Universität hergestellt.

B.    Frühphase Nationalsozialismus 1933-1934:

           Aufbau, Propaganda, Tarnung         

 

  • 1933: Am Flugplatz Ladebow wird gebaut, Öffentlichkeit soll möglichst wenig erfahren.
  • Greifswald: Ortsgruppe des Deutschen Luftsportverbandes; Schulungen auf dem im Bau befindlichen Militärflugplatzgelände (ehem. „Meierei Klein Ladebow“).
  • Luftschutzpropaganda (RLB, „Luftschutz tut not“) läuft parallel zur verdeckten Luftkriegsvorbereitung.
  • Meierei Klein Ladebow: „seit 1933 ein Flugplatz“; Anlagen 1945 gesprengt; später Gebäude des Abwasserwerkes.
  • Sommer 1934: Studenten der Universität nutzen einen Teil des Universitätsgutes Ladebow als Verkehrslandeplatz; mehrmonatiger Flugbetrieb.
  • DLV-Präsident Bruno Loerzer wird als enger Vertrauter Görings genannt.
  • Juni 1934: Stadt tritt Gelände kostenfrei an eine Vorläufer-/Tarnorganisation ab; Reichsluftfahrtministerium stufe Ladebow als wichtig ein.
  • Eigentumsfrage: Stadt formal noch nicht Eigentümerin; Tauschverhandlungen mit Universität ziehen sich bis 1940 (Katastervermessungen/Abschluss).

C.      Ausbau zum Fliegerhorst, Infrastruktur,                         Bauwesen (1934/35–1939)

 

  • ab 1934: getarnte Bodenuntersuchungen im zukünftigen Flugplatzbereich.
  • ab 1935: Installation einer Luftwaffenbaustelle/Bauleitung in Ladebow; Koordination von Hangars (Stahlbeton), Motorenprüfständen, Werften, Garagen, Tower, Schießständen, Lehrgebäuden, Unterkünften.
  • Infrastruktur: Bau einer Bahnstrecke/Anschluss und einer Betonstraße (Stadthafen Greifswald → Flugplatzareal).
  • 1934–1939: Ausbau zum Fliegerhorst; genannt werden 7 große Hangars + Werkstätten, Unterkunftsbauten, Sport- und Verwaltungsgebäude; alte Wohngebäude des Universitätsgutes werden, bis auf 2, weitgehend abgerissen; Landwirtschaft bis 1936 parallel.
  • 1935/36: Steinbecker Brücke wird im Zusammenhang mit Aufbau Fliegerhorst Ladebow verstärkt.
  • 1935: Kürzung des Turms der Wiecker Kirche durch Demontage der Krone um ca. 7 m, um Flugbetrieb nicht zu behindern und ein Leitfeuer anzubringen. Dadurch erhält die Kirche einen Stromanschluss.
  • 1934–1940: Wohnsiedlung südlich der Ladebower Chaussee entsteht; bis heute genutzt;      14 zweigeschossige Reihenhäuser und 2 repräsentativen, villenähnlichen Einzelwohnhäusern (Heimatschutzarchitektur + sachlich-funktionale Züge).
  • 1934–1940; nördlich der Ladebower Chaussee Bau der Flugplatzanlagen;                       gesamte Anlage: charakteristische Mischung aus moderner Zweckarchitektur (Hangars) und traditioneller Stilistik (Kasernen-/Schulgebäude, Kasino, Gemeinschaftshaus).
  • 01.04.1939: Eingemeindung Ladebow, Eldena und Wieck (auch „auf Druck des Militärs“)

D.    Betrieb, Einheiten, Universität, Propaganda           (1935–1944)

 

  • Fliegerhorst als „Leithorst“ über längere Abschnitte; mehrere pommersche Plätze unterstellt.
  • Größenordnung: Kommandantur mit ca. 500 Uniformierten und 850 Zivilisten
  • Ende der 1930er Jahre: 855 zivile Planstellen (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg).
  • Stationierung bis Ende 1935 („zweite Stationierungswelle“).
  • Wichtige Einheit: Lehrgeschwader 1 (auch auf Barth, Anklam, Garz, Tutow); Teile im spanischen Bürgerkrieg, bei Staatsbesuchen, im Kriegseinsatz.
  • Luftwaffenlehrdivision: u. a. Flak-Lehrregiment (Kasernenkomplex Gützkower Landstraße) und Luftnachrichten-Lehreinrichtung.
  • 1935: Vertrag Universität – Reichsfiskus (Luftwaffe) über Behandlung von Luftwaffenangehörigen in Universitätskliniken (inkl. Regelungen bis Beerdigung).
  • 1938: Großflugtage/Tage der Luftwaffe auf dem Flugplatz, tausende Bürger; propagandistische Wirkung.
  • 1937–1941: Segelflug als Teil der Sportlehrerausbildung der Uni; Lehrgänge u. a. in Ladebow (neben Teterow, Helmshagen).
  • 13.10.1944: „In Ladebow Luftgeschwader Ihlenfeldt eingetroffen“ (als Verstärkung auf dem Flugplatz) – Verweis auf heutiges in Laage
  • ab Mai 1944: Universitätsmitarbeiter werden „umschichtig“ in Ladebow eingesetzt (Luftschutzarbeiten, Splittergräben etc.); Wehrmacht profitiert von 12 Wochenstunden.

E.    Krieg, Bombenabwurfplatz Koos, Personen                                                (1940–  1945)

 

  • 1940: Insel Koos als Bombenabwurfplatz „vom Flugplatz Greifswald-Ladebow aus“.
  • 09.07.1942: Besuch bei General Krueger und Oberst Stahl in Ladebow; Rundfahrt über Flugplatz; „Bruchlandung“, Kasino.
  • 1942: General Krüger in Greifswald-Ladebow; Oberst Stahl in Greifswald-Ladebow.
  • Hugo Pfeiffer: 1942 Oberfeldwebel der Luftwaffe in Ladebow; 1943 wegen jüdischer Abstammung der Ehefrau entlassen; später Mitinitiator Widerstand; 1945 zweiter Bürgermeister.
  • 21.04.1945: Zeitzeugenpassage: Erika W., Funkerin auf Flugplatz Ladebow; nimmt manchmal ihren Sohn zum Nachtdienst; Gefühl besonderer Gefährdung.
  • 26.04.1945: Ungezielter Bombenabwurf der Royal Navy, trifft einen Luftschutzraum in Wieck; in den Quellen ist von 25 Toten die Rede.
  • 29.04.1945: Gerüchte und Vorbereitungen von Sprengungen in Ladebow; Fenster sollen geöffnet werden; Sprengschüsse teils erwartet/gehört.
  • 30.04.1945: Während der kampflosen Übergabe Greifswalds werden in Ladebow militärische Anlagen geräumt und „in letzter Minute“ gesprengt; Protest der Roten Armee wegen Bruch der Bedingungen; zusätzliche Zerstörungen durch Zeitzünder-Sprengungen werden berichtet.

F.      Nachkriegszeit: Plünderung, Lager, Sprengungen,                   Weiterverwendung (1945–1990)

 

 

  • 14.06.1945:  In Wieck und Ladebow geplündert.
  • 17./18.07.1945: Detonationen/Sprengungen in Ladebow (u. a. gesprengte Seeminen; Zerstörung des Luftwaffenflugplatzes durch Sprengungen genannt).
  • 26.10.1945: Lager Ladebow: nur kleiner Teil freigegeben; Lagerkapazität 4–5.000, Entlausungsanlagen, 150–200 Russen belegt.
  • 1946/47: Sprengung der Einrichtungen des Flugplatzes Ladebow sowie Unterkunfts- und Lehreinrichtungen; eine größere Kraftwagenhalle bleibt; Fliegersiedlung wird weiter genutzt.
  • 01.12.1949: Wohnsiedlung Ladebow mit 20 ehemaligen Wehrmachtsgebäuden von Stadt übernommen.
  • 1950er Jahre: Betonwerk auf Gelände; Betonteile u. a. für Ostseeviertel; Trümmermaterial/Schutt des Fliegerhorsts wird verarbeitet.
  • 1952: Straßennamen in Ladebow eingeführt; vorher Unterkunftsnummern.
  • ab 1955: Deutsche Grenzpolizei übernimmt Teile des ehemaligen Flugplatzgeländes; Baracken als Provisorium bis Mitte 1990er.
  • nach 1965: Volksmarine nutzt Ladebow (TSL/„Ölhafen“, Kfz-Werkstatt/Instandsetzungsbasis, Mobilmachungsreserve); 1991 aufgegeben.

Geschichte des Fliegerhorstes

 

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ein Interesse der Stadt Greifswald, in Ladebow  Flugzeugindustrie und einen Flugplatz anzusiedeln.

Bereits in dieser Zeit bemühten sich die Stadtväter, die strukturarme Region wirtschaftlich voran zu bringen.

 

Im Jahr 1913 kam in der Greifswalder Stadtverwaltung die Idee auf, das Universitätsgut Ladebow gegen ein städtisches Gut zu tauschen. Im selben Jahr schlug die gemeinnützige Pommersche Landgesellschaft m.B.H. vor, Ladebow der Aufsiedlung zuzuführen.

 

1925 wurde die Luftverkehr Pommern G.m.b.H. gegründet.

Die Stadt Greifswald wird Gesellschafter, ohne in den Flugbetrieb eingebunden zu sein. Es erfolgte eine Besichtigung Ladebows durch Vertreter derProvinzialverwaltung mit Hintergrund der Einrichtung eines Flugplatzes für die Luftfahrzeug Stralsund G.m.b.H.

 

 

Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"
Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"

Im September 1926 fand eine erste inoffizielle Kontaktaufnahme von Vertretern der Flugzeugbaufirmen Heinkel und Rohrbach mit dem Rektor der Universität und Vertretern der Stadt; diese schlagen die Herausgabe des Gutes Ladebow im Tausch gegen andere vor.

 

Oktober 1926: offizielle Anfrage von Fa. Rohrbach an die Stadt, ob diese Flächen für die Firmenansiedlung zur Verfügung stellen könne; Einbeziehung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in die Verhandlungen.

Luftbild von 1929, © Christian Radicke
Luftbild von 1929, © Christian Radicke

Bis zum Jahr 1928 bekundeten die Firmen Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH ihr Interesse, die Produktion von Flugbooten in Ladebow anzusiedeln.  Ebenso verhandelt die  Firma Heinkel über den Bau einer Niederlassung in Greifswald

 

Beide Projekte sind nicht verwirklicht worden.

Flugboot Rohrbach Romar, Quelle: Bundesarchiv
Flugboot Rohrbach Romar, Quelle: Bundesarchiv

Der Aufbau

Nach den politischen Veränderungen im Jahre 1933 und der nun folgenden Förderung des Flugsportes ist ein Teil des universitätseigenen Geländes der Gemarkung "Ladebow Meierei" für die den Zweck der Schaffung einer Fliegerübungsstelle des studentischen Flugsportes zur Verfügung gestellt worden. Ein wichtiges Ereignis von überregionaler Bedeutung ist im Juni 1934 nachzuweisen. 120 Flugzeuge des Deutschlandfluges 1934 landeten auf dem Flugplatz der Fliegerortsgruppe Greifswald. Der Platz sowie die errichteten Gebäude gingen 1934 in den Besitz der Deutschen Verkehrsflieger Schule (D.V.S.) über.  Die D. V. S. stellte eine Tarnorganisation zum geheimen Aufbau der Luftwaffe dar. Ob die Fliegerortsgruppe der Universität weiter bestand und ein anderes Gelände nutzte ist nicht bekannt. Ab Mai 1934 erfolgte der Ausbau des Platzes unter Leitung des Bauleiters Müller. Die Maßnahmen umfassten unter anderem:

 

Geländetausch zwischen der Universität und der Stadt Greifswald, um einen einzelnen Ansprechpartner für die benutzten Flächen zu erhalten. 

 

Bau des Anschlussgleises vom Abzweig der Hafenbahn mit der Querung des Flusses Ryck bis zum Flugplatz

 

Bau der Betonstraße nach Greifswald

Kürzung des Kirchturms der Wiecker Kirche

 

Ankauf der Insel Koos durch das Reichsluftfahrtministerium als Zielgebiet für den Bombenwurf sowie für Schießübungen vom Flugzeug aus

 

Schaffung von Wohnraum für Offiziere und Beamte und Zivilangestellte in der Gutssiedlung Ladebow sowie im Stadtgebiet

 

 

Einrichtung einer Buslinie von Greifswald zur Flugplatzsiedlung 

Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"
Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"
Blick auf die Halle 2A vom Flugfeld aus. Links im Hintergrund die Zellenschlosserei (Flächenbau), kleine Funktionsgebäude sowie Unterkünfte des Fliegerhorstes. Quelle: Archiv Horst Dörn
Blick auf die Halle 2A vom Flugfeld aus. Links im Hintergrund die Zellenschlosserei (Flächenbau), kleine Funktionsgebäude sowie Unterkünfte des Fliegerhorstes. Quelle: Archiv Horst Dörn
Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"
Quelle: Dr. Ralf Scheibe, "Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär"

Ansicht des Wachgebäudes und eines Gebäudes der Flughafenkommandantur. Die Mauer im Hintergrund ist bis heute erhalten.

Bilder von der Flugplatzfeuerwehr. Leider sind keine Informationen über Ausstattung und Mannschaftsstärke bekannt. Die Feuerwache befand sich nördlich von der Kommandantur.

Fotos: Archiv Horst Dörn

 

Am 01.04.1935 wurde die Fliegerhorstkommandantur aufgestellt. Damit beginnt der eigentliche militärische Betrieb und die Nutzung der modernen Anlage.

Folgende Einheiten belegten den Standort zur Friedenszeit zwischen 1935 und 1939:

 

Fliegergruppe Greifswald, später umbenannt in II. / KG 152

Stab, II. und III. KG 152 "Hindenburg"

 

Stab und III. / (Kampf) Lehrgeschwader (LG) Greifswald bzw. später LG 1

 

Luftnachrichten - Lehrabteilung mit der 2. (Leithorst) und der 3. (Funkpeil- und Horch) Lehrkompanie.

 

Flugzeug, im Hintergrund der Flugplatztower und Unterkunftsgebäude. Quelle: MUZEUM POWSTANIA WARSZAWSKIEGO
Flugzeug, im Hintergrund der Flugplatztower und Unterkunftsgebäude. Quelle: MUZEUM POWSTANIA WARSZAWSKIEGO

Hierbei ist festzuhalten, dass es sich bei den drei Erstgenannten im Grunde stets um dieselben Verbände handelte, die jedoch im Rahmen von Teilungen und Umstrukturierungen immer wieder umbenannt und umgegliedert wurden. Das KG Hindenburg war außer in Greifswald auch in Teilen in Neubrandenburg und Barth stationiert. Die eingesetzten Flugzeugtypen spiegeln den Ausrüstungswandel der Kampfgeschwader wider: von der Do 23 über die Ju 52 als Behelfsbomber bis hin zur Ju 86 und He 111.

 

Abb. 3: Aufstellung der III./LG 1 am 27.05.1938 auf dem Rollfeld anlässlich der Vorbereitung des Abfluges zum Staatsbesuch nach Jugoslawien. Im Hintergrund Halle 3A, Startgebäude mit Bildstelle sowie Halle 3B. Quelle: Archiv Horst Dörn
Abb. 3: Aufstellung der III./LG 1 am 27.05.1938 auf dem Rollfeld anlässlich der Vorbereitung des Abfluges zum Staatsbesuch nach Jugoslawien. Im Hintergrund Halle 3A, Startgebäude mit Bildstelle sowie Halle 3B. Quelle: Archiv Horst Dörn

Nach Beginn des 2. Weltkrieges belegten folgende Schul- und Einsatzverbände den Fliegerhorst, sei es als Heimatplatz, als zeitweisen Absprungplatz oder zur Auffrischung. Lehrgruppe Ju88 - wurde zur Erg. KGr 4 - von November 1939 bis Mai 1941

Stab und I. und III. / Große Kampffliegerschule 3 von

Juni 1941 - September 1942, wurde zum Stab bzw. Kampfschulgeschwader 1 und weiter zum KG 101 mstrukturiert.

Das Kampfschulgeschwader wurde im Oktober 1944 aufgelöst. Teile verbleiben als Bomben- und Zielfinderschule in Ladebow. Andere Verbandsteile wurden abgegeben, so z. B. an das KG 66, das ab Herbst 1944 MISTEL- Einheiten in Burg aufstellte. Eine Episode am Rande stellt die Desertierung eines Piloten im Jahre 1942 dar. Zusammen mit einem Kameraden wollte er nach England desertiern, verflog sich jedoch. Die Maschine musste vor Norwegen notwassern und versank. Im Jahre 2000 wurde das Flugzeug geborgen und wird derzeit in Norwegen restauriert. Näheres unter www.Ju88.net. Im Gegensatz zu den vorgenannten gaben die 12./KG 51, die II./KG 53 (Legion Condor), die II./KG 4 (General Wever) und Stab und I./KG 30 (Adler) nur kurze "Gastspiele" auf dem Platz.Kurz waren auch die Stationierungen von Jagdverbänden wie Stab und I./JG 1 (Oesau),  IV./JG 3 (Udet), Stab JG 103, IV./NJG 5, I./NJG 100

Weiterhin wurde von September 1944 bis April 1945 die "Leichte Heimatflakbatterie 9/III" von Stettin nach Greifswald verlegt. Der Bombenkrieg der Alliierten wirkte sich indirekt auch auf Greifswald aus. Die Arado - Flugzeugwerke dezentralisierten die Fertigung. Eine Flugzeughalle in Greifswald diente ab 1943 zur Rumpfmontage des Jagdflugzeuges FW 190 bevor dieses in Tutow zur Endmontage gelangte.

Quelle: MUZEUM POWSTANIA WARSZAWSKIEGO, Bild 8: Archiv Horst Dörnen

Das Ende des Fliegerhorstes

Das Ende des Platzes kam Ende April 1945. In der Nacht vom 29. auf den 30.04.45 verließen die letzten Luftwaffensoldaten sowie etliche Familien der Flugplatzsiedlung den Platz Richtung Westen. Am 30.04.45 wurde der Platz ohne Kampfhandlungen von der Roten Armee eingenommen. Die sowjetischen Truppen belegten den Fliegerhorst bis ca. Herbst 1948 mit einer Viehwirtschaftseinheit. Die gesamte Anlage wurde nach Ausbau der Ausstattungen bzw. Inneneinrichtungen ab 1947 gesprengt. Im Sommer 1947 wurde das Rollfeld durch die SMAD im Zuge der Bodenreform für die Nutzung als Ackerland freigegeben. Die Trümmer der Sprengungen nutzte u. a. die Bauwirtschaft nach Zerkleinerung zur Herstellung von Betonbauelementen. Auf dem Luftbild von 1953 (unten) sind noch die Umrisse der ab 1947 gesprengten, militärisch genutzten Anlagen zu sehen. Das ehemalige Flugfeld wurde im Rahmen der Bodenreform an Neubauern vergeben. Östlich des Flugfeldes entstanden Wohnhäuser der Neubauern.

 

Luftbild von 1943

 © RCAHMS. Licensor RCAHMS / aerial.rcahms.gov.uk und 1953, Quelle: Dr. Ralf Scheibe, Ladebow im 20. Jahrhundert Der Nordosten der Hansestadt Greifswald im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Industrie und Militär.

 

Danksagung

Wir danken denen, die Anfang der 1990- er Jahre die Grundlage für die Chronik des Fliegerhorstes Greifswald Ladebow geschaffen haben und auf deren Material ich zurückgreifen durfte:  Thomas Günther , Horst Dörn, Ralf Stubbe

Für die historische Einordnung danken wir dem Historiker Christoph Wunnicke.